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Johann Häussler - vermisst in Frankreich

 

Johann Häußler wurde am 15. Februar 1898 in Laupheim geboren. Seine Eltern waren Josef und Maria Häußler. Er wuchs in dem Haus auf, in welchem ich mit meiner Familie heute lebe.  

Johann´s Mutter Maria, hatte sechs Kinder geboren. Johann war der älteste, drei der Kinder starben bereits im Kindesalter.

Der jüngere Bruder von Johann, hieß Josef und wurde 1899 geboren, er lebte nur 63 Tage. Seine Schwester Anna Maria wurde 1901 geboren, sie lebte bis in die 1960er Jahre in Laupheim. Der nächste Bruder Eugen wurde 1904 geboren auch er lebte nur ein halbes Jahr. 1906 wurde Josefina geboren, sie starb im Alter von 11 Monaten.

Das jüngste Kind war Josef Eugen, er wurde am 28.Dezember 1908 geboren, er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1994 im Haus im Hafnergäßle. Er war mein Großvater. Das Bild rechts zeigt Josef mit etwa 5 Jahren, patriotisch in Kinderuniform und Kanonen als Spielzeug.

Die Familie Häußler lebte im 60 m² großen Reiheneckhaus im Häfnergäßle. Der Vater Josef war Werkzeugmacher und arbeitete in der Laupheimer Werkzeugfabrik, die Mutter Maria war Hausfrau. Am Heilig Abend 1921 verstarb Maria Häußler mit 51 Jahren. Das jüngste Kind, Josef war damals fast 13 Jahre alt.

Das Wohngebäude, das aus dem Jahr 1660 stammt, besaß wie viele andere, kein Bad. Die Toilette war außerhalb, auf der Gebäuderückseite. Im Haus war eine Wasserstelle, am Schüttstein in der Küche. In der Küche wurde gekocht und Leib und Wäsche gewaschen. Das gesamte Grundstück ist nur 100 m² groß, im kleinen Vorgarten wurde Gemüse angebaut. Neben der Toilette hinter dem Haus wurde ein Schwein und Kaninchen für den Eigenbedarf gehalten.

Johann besuchte die Volksschule und erlernte den Schlosserberuf. Im Alter von 19 Jahren wurde er am 04. Januar 1917 als Landsturmmann in den Militärdienst zum Landwehr Infanterie Regiment Nr. 124 nach Ulm einberufen.

Nach seiner Grundausbildung wurde er in das Württembergisches Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 248 versetzt und die Westfront befohlen.

Es gibt nur noch wenig Erinnerungsgegenstände die an den jungen Laupheimer erinnern. Vermutlich zu Beginn der Dienstzeit wurden beim Fotografen A. Wolf in Ulm Bilder gefertigt. Die Passbilder wurden später in vorgefertigte Kunstdrucke eingesetzt. Das Geschäft mit den Kriegssouvenirs war gut organisiert und sortiert.  So erinnern noch ein paar Bilder an den jungen Mann.

Eine Waschschüssel hatte er bei einem Heimaturlaub zurückgelassen. Diese wurde von Josef Häußler bis zu seinem Tod 1994 benützt.

Am 18. Februar 1918 wurde er im Kampf verletzt und in das Feldlazarett 323 bei Zedelghm in Belgien der 9. Kompanie Reserve Infanterie Regiment 248 eingeliefert. Zwei Tage später wurde Johann zur Krankensammelstelle nach Brügge verlegt. Am 01.März 1918 wurde in das Vereinslazarett nach Eberswalde in Brandenburg zur Erholung verlegt. Am 31. März 1918 wurde Johann Häußler wieder als kriegsverwendungsfähig in den Akten geführt und an die Front befohlen. Seit 11. August 1918 wurde Johann Häußler mit 20 Jahren als vermisst gemeldet.

Ein überlebender Kriegskamerad berichtete später, dass Johann im Kampf in einem Bombentrichter Schutz suchte. Dort schlug eine weitere Granate ein.

General G. Flaischlen schrieb im Jahr 1924 ein Buch über die württembergischen Regimenter. Im Kapitel: „Die Kampftage vom 08. bis 22 August 1918 “ beschrieb er die militärische Lage.

„… Nach dem Brigadebefehl der 107. Res.Inf.-Briegade vom 9. August wurde bei Morlancourt ein neuer Regimentsabschitt gebildet, ….

…Es gelang dem Feinde gegen Abend beiderseits Morlancourt bis auf die Höhe des Talles-Waldes vorzudringen. In diesen Kämpfen wurde das beim Stoßregiment Gutscher hart südlich Morlancourt eingesetzte III. Bataillon fast gänzlich aufgerieben.

…Am 10. August wurden die Verluste des III. Bataillon festgestellt: 8 Tote, 51 verwundete, 187 vermisste, darunter 11 Offiziere, hatte das Bataillon am 8. und 9. August verloren…

In dem Buch sind jedoch nur die getöteten Offiziere mit Rang und Namen in der Totenliste aufgeführt. Soldaten niederen Ranges wurden nicht mit Namen erwähnt. In dieser Schlacht, die als „Schlacht bei Amiens“ beschrieben wurde, erkrankten 20065 Soldaten, 14533 wurden verletzt. 2596 Soldaten wurden getötet und 26492 wurden als vermisst gemeldet.

Zwei Jahre nach der Vermisstenmeldung am 10. Januar 1920 wurde Johann Häußler vom Standesamt Laupheim am für tot erklärt.

Ein Grab blieb Johann Häußler verwehrt.

Insgesamt 181  Laupheimer wurden im ersten Weltkrieg getötet.

Das Soldatenbild unten hing von 1918 bis 1998 im Hausflur der Familie im Häfnergässle. Für die Ausstellung im Museum zur Geschichte von Christen und Juden wurde es als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Michael Schick

 

 

 

 

 

 

 

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