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2017

 

 

 

 

 

 

Auf den Spuren des jungen Carl

Reise der GGG fhrt ins Auswandererhaus nach Bremerhaven

Laupheim - Auf den Spuren des Hollywood-Pioniers Carl Laemmle sind die 31 Teilnehmer einer Kulturreise der Gesellschaft fr Geschichte und Gedenken (GGG) aus Laupheim unterwegs gewesen. Die Fahrt fhrte sie nach Bremen, ins Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven und nach Worpswede.

Thematischer Schwerpunkt der viertgigen Reise unter der Leitung der GGG-Vorstandsmitglieder Elisabeth Lincke und Peter Schroeder war der Besuch im Deutschen Auswandererhaus. Dass sich das Spezialmuseum an einem historischen Standort befindet - direkt am neuen Hafen in Bremerhaven - unterstreicht die nach wie vor aktuelle Migrationsgeschichte Deutschlands.

Carl Laemmle ist einer der Leitfiguren in diesem Museum, was die wissenschaftliche Mitarbeiterin Drthe Gordon bei ihrer extra auf die Laupheimer zugeschnittenen und exzellenten Fhrung betonte. In einer hervorgehobenen Archivbox knnen die Museumsbesucher hier Dokumente einsehen und recherchieren.

Die berfahrt Laemmles, der endgltige Abschied und die Ungewissheit, was ihn wohl in New York erwarte, das alles erlebte und erfuhr die Reisegruppe in diesem europaweit einzigartigen Auswandererkomplex. Die Gefhle des damals 17-jhrigen Carl - Mut und Neugierde, gepaart mit Angst, die strapazise berfahrt, die einige der Ausreisenden nicht berlebten - wurden ihnen eindrcklich aufgezeigt.

Dass Laemmle seine Heimat niemals verga, die Stadt grozgig untersttzte und spter etwa 300 jdischen Einwanderern die Einreise nach Amerika ermglicht und ihnen so whrend Deutschlands dunkler Nazizeit das Leben gerettet hatte, wurde in diesem Haus deutlich herausgehoben.

Symbolhaft dargestellt ist in diesem Museum auch die Polaritt von Aus- und Einwanderung, die immer nur eine Frage der Perspektive ist.

Weitere Hhepunkte der Reise waren ein ausfhrlicher Stadtrundgang durch Bremen, sowie ein Tagesausflug nach Worpswede, einem um die Jahrhundertwende gegrndeten Knstlerdorf, das unter anderem durch die Namen Heinrich Vogeler und Paula Modersohn-Becker bekannt geworden ist.

 

 

 
Wir trauern um unser Mitglied
Gretel Bergmann
(Margaret Lambert)

SZ- Roland Ray Laupheim - - Gretel Bergmann-Lambert ist tot. Die in Laupheim geborene ehemalige Hochsprungrekordlerin, von den Nationalsozialisten wegen ihres jdischen Glaubens um die Olympia-Teilnahme 1936 in Berlin betrogen, starb am Dienstag im Alter von 103 Jahren in ihrem Haus in New York. "Sie ist friedlich eingeschlafen", sagte ihr Sohn Glenn am Telefon. Am kommenden Sonntag wird es eine Trauerfeier geben.

1937 war Gretel Bergmann verbittert in die USA emigriert. Ihr Vorsatz, nie wieder deutschen Boden zu betreten, hatte 62 Jahre Bestand. 1999 und 2003 aber hat sie Laupheim doch noch zweimal besucht - und sich vershnt. Zu ihrem 100. Geburtstag im April 2014 bekam sie die Brgermedaille der Stadt Laupheim verliehen.

 



Ernie Hunter
Text
 
   

 

 

 

 

Rckkehr zu den Laupheimer Wurzeln

Prsident der amerikanischen Seifenfirma "Dr. Bronner's" besucht den Ort, wo seine jdische Familie einst lebte  

Von Dominik Prandl 8. April 2017 Schwbische Zeitung

Die Spurensuche in Laupheim, etwa am Judenberg, ist fr Michael Bronner aus den USA bewegend. - Drei Tage lang ist Michael Bronner in Laupheim - in der Stadt, wo seine Familie ihre Wurzeln hat. Hier, am Judenberg, begann ein Vorfahre 1858 Seife zu produzieren. Um 1930, als die Stimmung sich gegen die Juden wendete, schaffte es ein Teil der Familie, rechtzeitig aus Deutschland zu fliehen. In den USA produzieren die Bronners heute in der fnften Generation noch immer Seife. Von seiner bewegenden Familiengeschichte hat Bronner am Freitag in der Aula des Carl-Laemmle-Gymnasiums erzhlt. Geschftlich war Michael Bronner in diesen Tagen in London unterwegs - fr die kalifornische Familienfirma "Dr. Bronner's", deren Prsident er ist. Der kurze Abstecher nach Laupheim grndet auf seinem geschichtlichen Interesse. In der Familie werde viel ber die Vergangenheit gesprochen, sagt er. Allerdings gebe es noch immer viele Lcken. Erste Seifensiederei steht noch Das Haus in Laupheim, in dem seine Familie einst eine Seifensiederei gegrndet hat, steht jedoch noch heute. Sehr stark und tief sei das Gefhl, in dieser Stadt zu sein, sagte Bronner der "Schwbischen Zeitung". Die Menschen seien beraus gastfreundlich. "Es fhlt sich an, als kme ich nach Hause." Es ist Bronners erster Besuch in Laupheim - vor zehn Jahren war sein Bruder schon hier. "Es ist wichtig, mit der nchsten Generation zu sprechen", sagt der 41-Jhrige. Er hoffe, dass seine Erzhlung fr die Schler interessanter ist als Fakten aus historischen Bchern. Die Elft- und Neuntklssler aus dem Gymnasium und der Realschule sind whrend seines Vortrags besonders aufmerksam, als es um die Vergangenheit der jdischen Familie geht. Der 41-Jhrige erzhlt auf Englisch; Gero Leson, deutscher Manager der Firma, bersetzt. Er selbst sei in den USA nicht jdisch aufgewachsen, erzhlt Bronner. Dennoch sei er auf seine jdische Herkunft stolz und wolle seine Wurzeln kennenlernen. Seine Familie lebte seit Beginn des 19. Jahrhunderts in Laupheim. Damals war ihr Name noch Heilbronner. Die Silbe "Heil" hat die Familie, die Angehrige durch den Holocaust verlor, spter aus dem Namen gestrichen. 1858 wurde die Seifenfirma in Laupheim erffnet, drei Shne des Grnders zogen spter nach Heilbronn und grndeten auch dort 1903 eine Seifenfabrik. Bronners Grovater Emanuel Heilbronner verlie Deutschland schon vor der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1929. Zum einen wegen eines Konflikts mit dem Vater, zum anderen, weil er schon damals Zeichen des Antisemitismus wahrnahm. Seine Schwestern konnten ebenfalls rechtzeitig in die USA und nach Palstina fliehen, doch seine Versuche, auch den Eltern aus Deutschland zu verhelfen, erfolgten zu spt: Sie wurden in Auschwitz und Theresienstadt ermordet. Flucht aus der Irrenanstalt Besonders lebhaft und mit vielen Anekdoten erzhlt Bronner vom Leben seines Grovaters in den USA. Der setzte sich nach seiner Emigration dafr ein, starre religise Grenzen zu berwinden. Nach einem Vortrag an der Universitt von Chicago wurde er allerdings in die Irrenanstalt eingewiesen. Doch konnte er von dort fliehen und trampte nach L. A. Dort hielt er auf der Strae weiter Reden, whrend er zu Hause in der Badewanne Flssigseife herstellte. Als er begann, sie seinen Zuhrern an der Straenecke mitzugeben, waren diese von der Seife hin und weg - mit der Folge, dass sie ihn nur noch wegen der Seife, nicht aber wegen seiner Visionen aufsuchten. Da druckte er seine Philosophie einfach auf die Packung der Dr. Bronner-Seifen. Die wurden besonders in den 1960er-Jahren bei den Hippies beliebt. Die Hippie-Bewegung rund um Woodstock ist so der Grundstock fr den Erfolg der heute meistverkauften Naturseifenmarke in den USA. Noch immer setzt sich die Familienfirma fr soziale Projekte und die Umwelt ein. Aus einer tragischen Familiengeschichte, so beschreibt es Michael Bronner heute, ist ein Triumph erwachsen.

 

Gero Leson, Mike Bronner und Ryan Fletscher am jdischen Friedhof.

Besuch im Museum.

Mike Bronner hlt der Vortrag ber seine Familie und die Firma Dr. Bronners. Gero Leson bersetzte blockweise den englischen Vortrag.

Rund 350 Schler der Realschule und des Gymnasiums folgten dem spannenden Bericht.

Mike Bronner an der Geburtststtte seiner Firma, im Keller des Judenbergs 2.

Mike Bronner hlt der Vortrag ber seine Familie und die Firma Dr. Bronners im Haus am Friedhof vor zund 50 gespannten Zuhrern. Gero Leson bersetzte blockweise den englischen Vortrag.

 

 

 

US-Erfolgsfirma hat Laupheimer Wurzeln

Prsident von "Dr. Bronner's Magic Soaps"

hlt Vortrag im Haus am jdischen Friedhof  sz 5. April

2017 Laupheim - Das Museum zur Geschichte von Christen und Juden und die Gesellschaft fr Geschichte und Gedenken veranstalten am Freitag, 7. April, einen Vortragsabend mit Mike Bronner. Er ist Prsident der kalifornischen Kosmetikfirma "Dr. Bronner's Magic Soaps", die ihre Wurzeln in Laupheim hat. Am hiesigen Judenberg grndete Emanuel Heilbronner 1858 eine Seifensiederei. Bald darauf erffnete die Familie eine zweite Firma in Heilbronn, woher die Heilbronners dem Namen nach ursprnglich stammen. Nachkommen wanderten in die USA aus und fhrten dort das Handwerk der Seifenherstellung weiter. Die Silbe "Heil" hat die Familie, die Angehrige durch den Holocaust verlor, nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Namen gestrichen. Nicht nur in den Vereinigten Staaten ist "Dr. Bronner's" heute eine legendre Naturseifenmarke. Das Unternehmen, das sich dem Pazifismus und der Schonung der Umwelt verpflichtet fhlt, vertreibt seine Produkte auch auf dem deutschen Markt. Mike Bronner spricht am Freitag (Beginn: 19 Uhr) im Haus am jdischen Friedhof ber seine Familie, die Geschichte ihrer Auswanderung und die Entwicklung der Firma Bronner in Kalifornien. Der Vortrag ist berwiegend in englischer Sprache; der fr das deutsche Geschft zustndige Manager Gero Leson wird bersetzen. Der Eintritt ist frei, die Anzahl der Sitzpltze ist begrenzt.

 

 

 

Einblicke in ein Leben hier als Jude

Beim Holocaust-Gedenken spricht Ben Schwalb ber die "dritte Generation"

Laupheim - Mit einer gut einstndigen Gedenkfeier hat die Stadt Laup-heim zusammen mit der Gesellschaft fr Geschichte und Gedenken (GGG) der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Feier bekam eine besondere Note durch die Worte von Ben Schwalb. Er gewhrte ganz offen einen Einblick in die Seele eines jdischen Nachkommens der dritten Generation. Die Feier diente auch zum Rckblick auf 20 Jahre GGG.

Rund 100 Besucher begrte der Erste Brgermeister Gerold Rechle zum Holocaust-Gedenktag im Kulturhaus. Das Holzblserensemble "FOKlaFaMUSICA" machte die Herzen der Gste bereit fr die Minuten des Gedenkens. Rechle stellte in seinen Ausfhrungen klar, welchen Rang ein Tag wie der 27. Januar hat: "Das Gedenken ist uns heute mehr denn je Aufgabe fr die friedliche Zukunft unserer Gesellschaft." Lange habe man nach 1945 in Laupheim ber die jdisch geprgte Vergangenheit geschwiegen, "sich zum Teil bestimmt auch fr die Untaten geschmt". Rechle wrdigte in diesem Zusammenhang Ernst Schll, der die GGG 1997 mitinitiierte und mageblicher Motor gewesen ist fr die ehrenamtliche Aufarbeitung der jdischen Geschichte Laupheims sowie die Pflege und Erfassung des jdischen Friedhofs.

Rechle wrdigt Arbeit der GGG

Aus Anlass des 20-jhrigen Bestehens wrdigte Rechle die Bedeutung der GGG fr Laupheim. Sie trage bei zur Pflege und Erforschung der Ortsgeschichte, gerade auch im Hinblick auf die ehemalige jdische Gemeinde. "Der Kontakt zu den Nachfahren Laupheims jdischer Gemeinde ist ohne die GGG undenkbar." Rechle lobte den Einsatz fr den jdischen Friedhof und das Mitwirken beim Aufbau des Museums zur Geschichte von Christen und Juden. All dies sei nicht selbstverstndlich. Der Erste Brgermeister dankte dem "wertvollen Verein" und dessen Vertretern Elisabeth Lincke und Michael Schick. Er sei berzeugt, dass sich die Erinnerungskultur immer wieder an die Formen und Sprache der Gegenwart anpassen msse.

Ganz in diesem Sinn referierte als Gastredner Ben Schwalb. Er ist Amerikaner und lebte die meiste Zeit in der Nhe von New York. Seine Familie, die jdischen Glaubens ist, ist um 1945 dorthin ausgewandert. Sein Studium fhrte Schwalb nach Tbingen. Das blieb nicht ohne Folgen. In liebenswerter Art erzhlte der Wahl-Mnchner: "Das Jahr in Tbingen und eine Frau, die ich dort kennen gelernt habe, haben mir so derartig gefallen, dass ich dann bleiben wollte." Schwalb recherchierte seine Familiengeschichte und stellte fest, dass sein Urgrovater auf dem jdischen Friedhof in Laupheim seine letzte Ruhesttte gefunden hatte. Das brachte den jungen Mann mit Laupheim in Berhrung.

Nachdem Schwalb in Mnchen ein Arbeitsplatz angeboten worden war, whlte er die bayrische Landeshauptstadt als Lebensmittelpunkt. Dort lebt er als Jude - und hat ein Problem. Es ist das Problem der dritten Generation. Er schilderte dies in aller Offenheit und zeigte die innere Zerrissenheit. Er frage sich immer wieder, erzhlte er, "wie genau ich in diese Gesellschaft reinpasse. Eher als Jude oder als Ami, als passiver Zugezogener, der die Kultur erlernen soll?" Er frage sich, ob er die Pflicht habe, die Vergangenheit zu besprechen und zu bearbeiten. "Oder soll ich einfach so tun, als wre ich ein Deutscher?"

Ben Schwalb machte deutlich, dass man als Jude in Deutschland eine eigene Identitt hat. Er sieht einen Konflikt, "wie anders man als Jude ist und wie anders man sein soll". Doch das sei nicht neu, vielmehr einer der ltesten Konflikte der Juden in der Zerstreuung.

"Leute sollten wissen wie es ist"

Die verschiedenartigen Ausprgungen der jdischen Kultur verschrfen nach Darstellung des Referenten die persnlichen Konflikte. Schwalb vermisst im jdischen Leben in Deutschland, dass den Verschiedenartigkeiten von orthodoxen und liberalen Gemeinden Rechnung getragen wird. Er habe sich vorgenommen, "viel mehr ber mein Leben hier als Jude zu erzhlen. Die Leute sollten wissen wie es ist, als Jude in Deutschland zu leben."

Zum Schluss zeigte sich Ben Schwalb zufrieden darber, was alle bei dieser Gedenkfeier im Kulturhaus wollten: nie vergessen.

 

Ben Schwalb sprach als Hauptredner der Gedenkstunde. Sein Thema: " Die deutsche Geschichte und das jdische Erbe in der dritten Gerneration."

 

Die Gestaltung des Holocaust-Gedenktags lag in den Hnden von Gerold Rechle, Elisabeth Lincke, Michael Schick, Ben Schwalb und Museumsleiter Michael Niemetz (von links).  Fotoa: Franz Liesch

 

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