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2021

Jahreshauptversammlung der Gesellschaft für Geschichte und Gedenken

am Donnerstag, den 29.07.2021

 

Hauptthema: Neue Dauerausstellung fürs Museum

Einführungsvortrag: Dr. Cornelia Hecht -Zeiler

Nach mehr als zwei Jahren konnte sich die Gesellschaft für Geschichte und Gedenken wieder zu einer regulären Hauptversammlung treffen, nachdem die Hauptversammlung 2020 Corona bedingt ausfallen musste. Vorsitzende Elisabeth Lincke drückte ihre Freude über das persönliche Zusammenkommen aus, betonte aber auch, wie wichtig im vergangenen Jahr digitale Mittel , wie Zoom-Schaltungen für die Arbeit des Vereins geworden sind. Ein gutes Beispiel ist die Geburtstags-Zoomkonferenz mit der 100jährigen Ann Dorzback (Louisville/ Kentucky) im Juni.

Überhaupt war der Verein trotz aller Corona-Einschränkungen aktiv. Führungen auf dem jüdischen Friedhof und im Museum waren je nach Pandemielage unter Beachtung der Hygiene-Auflagen mit Unterbrechungen möglich. Es wurde geforscht und recherchiert. Auch konnten einige Erwerbungen für das Museum getätigt werden.

Der Vorstand stellte sich wieder zur Wahl, eine Änderung ergab sich im Ausschuss: für die ausscheidende Janet Weiß, der für Ihren Einsatz mit einem kleinen Präsent gedankt wurde, wurde Christoph Schmid gewählt.

Wichtigstes Thema für den Verein ist aber im Moment die Neugestaltung der Dauerausstellung des Museums. So stieß der Schwerpunkt der Hauptversammlung, der Vortrag von Frau Dr. Cornelia Hecht-Zeiler vom Haus der Geschichte in Stuttgart auf großes Interesse.

Mit Cornelia Hecht-Zeiler hat das Museum die richtige Person für Planung und Durchführung des Ausstellungsprojekts, ist sie doch seit Gründung des Museums zur Geschichte von Christen und Juden mit den Laupheimer Museumsangelegenheiten befasst und vertraut.

Sie betonte in ihrem Vortrag die Bedeutung des Laupheimer Museums im Vergleich mit anderen jüdischen Museen: Gerade der Blick auf die Geschichte von Christen und Juden, einer Geschichte von Mehrheitsgesellschaft und ihren vielfältigen Beziehungen zur Minderheit, ist eine Besonderheit, die berücksichtigt werden muss. Dies gilt besonders im Blick auf die Beziehungen zu heutigen neuen Minderheiten und den wieder aufflammenden Antisemitismus.

Auch das Verschwinden der Zeitzeugen der Holocaustgeschichte stellt die Geschichtsvermittlung in Museen vor neue Aufgaben.
Das Laupheimer Museum als Gedächtnis der Stadt soll sich dabei nicht auf den Zeitraum von 1730 bis 1945 beschränken wie bisher, sondern die Entwicklung bis heute in den Blick nehmen.

Damit Geschichte weiterhin authentisch vermittelt und nachvollziehbar gemacht werden kann, soll die neue Dauerausstellung ansprechend, selbstverständlich multimedial sein, dazu ohne großes Vorwissen verständlich.

Konkret stellt sich auch die Aufgabe, die bisher eher unverbundenen Stockwerke im Museum inhaltlich besser zu verbinden. Ausstellungspunkte im Museum gehören digital verknüpft mit den Originalplätzen im Ort. Ebenso sollten bestimmte Punkte, etwa Grabsteine oder Dokumente z.B. für recherchierende Nachfahren jüdischer Einwohner*Innen Laupheims auch digital erreichbar sein

Auch das Schloß selbst mit seiner wechselvollen Geschichte als größtes, eigenständiges „Ausstellungsstück“ kann durch gute Zusammenarbeit aller kommunalen Stellen noch gewinnen.

Ein Thema, das in der Vergangenheit noch wenig aufgearbeitet wurde, ist die „Arisierung“. Dazu wird im Rahmen eines Forschungsprojekts im Haus der Geschichte schon gearbeitet.
Die Ergebnisse sollen in die neue Dauerausstellung einbezogen werden.

Die wichtigste Aussage des Vortrags ist, dass das Projekt Museumsumgestaltung jetzt starten kann.

Das Bundesministerium für Kultur und Medien hat das Laupheimer Museum in ein Förderprogramm für bedeutende nationale Kultureinrichtungen in Deutschland aufgenommen, was eine gute Förderung des Projekts bedeutet, selbstverständlich auch einen hohen Anspruch markiert!

Ein Gestalterwettbewerb mit namhaften Büros wird demnächst stattfinden, im November dieses Jahres sollen die Umgestaltungsarbeiten beginnen. Fertig werden soll die neue Dauerausstellung im März 2023.

Cornelia Hecht-Zeiler betonte die Bedeutung der Vereinsmitglieder bei der konkreten Vermittlung der Museumsinhalte. Um die Erfahrungen der Museumsbasis zu nutzen und zu bündeln kündigte sie einen Workshop zur Museumserneuerung im September an.

Die im Vortrag dargestellten Ziele und Aufgaben wurden von der Mitgliedschaft lebhaft diskutiert – es ist keine kleine Aufgabe, die da auf Haupt- und Ehrenamtliche zukommt.

In einer Zeit , in der unsere Erinnerungskultur immer stärker von rechts angegriffen wird, ist es allerdings für Museum, Stadt und Verein eine Pflichtaufgabe und eine großartige Chance!

Jutta Henrich

 

  


 

   

    

 

 

 

 

Pressebericht in der Schwäbischen-Zeitung